Vom Bauch des Esels und anderen Geschichten

jakob_luriganchoLima, Wüstendame am Meer. 10 Millionen Nachbarn. Beim Landeanflug erstrecken sich die Lichter unter uns bis zum Horizont. Schön sieht das aus. Tagsüber ist sehr grau, dicke Wolken und Nebel hängen über der Stadt,  „garúa“ genannt. Die Limenos, die Einwohner Limas, sprechen auch vom „grauen Bauch des Esels“. In der Tat hängt der Himmel manchmal so tief, dass man meint, ihn anfassen zu können. Aber bald wird es Sommer, dann wird Lima mit mehreren Monaten Sonnenschein und blauem Himmel belohnt.

Das sieht dann so aus:

lima_sommer

Die ersten Tage haben uns umgehauen: dichter Verkehr, Hochhäuser, Sand und Staub, grauer Himmel. „Lima, la horrible“. Aber man sollte Lima Zeit geben. Auf Entdeckungsreise gehen. Dann offenbart die Stadt nach und nach ihre schönen Seiten. Unsere persönlichen Highlights bisher:

  • die Menschen! Hilfsbereit, neugierig, optimistisch. „No te preocupes“ hören wir oft und gerne
  • Ceviche (Fisch) mit Aji (scharfer Soße) essen
  • San Juan de Lurigancho, Stadtteil im Norden mit knapp 2 Millionen Einwohnern. Laut, bunt, hier wohnen viele unserer Freunde
  • der Mercado los Vencedores in S.J. de Lurigancho
  • Mangos, die nach Mangos schmecken
  • Granadillas, Tunas, Chirimoya, Lucuma und andere Früchte, deren Namen wir vorher noch nie gehört haben
  • Salsa hören und tanzen
  • Cumbia-Mucke in den Minibussen und Taxifahrer als Fußballanalytiker
  • Mototaxis (sagt Jakob)
  • Parque Olivar. Tolle Kletterbäume (findet Ronja)
  • Inkacola (auf jeden! sagen Jakob und Ronja und Mattes. Eva enthält sich)
  • Surfen in Miraflores
  • Parillas (Grillabende) mit Carlos und Toni und Cusquena negra (Schwarzbier)
  • die Biokiste „Allin mikuy ayllu“ (Quechua für „gemeinsam Gutes essen“) und die Leute, die diese organisieren
  • Sonnenuntergang anschauen am Malecón
  • die Cafés Buenavista und Kulcafé
  • …y muchos más…

Wenn Peru eine Schatzkiste ist, dann ist Lima darin eine staubige Perle, die man glattpolieren muss, um sie funkeln zu sehen.

***

Über die Kinder kommen wir ständig ins Gespräch mit den Leuten, sie sind Tür- und Herzensöffner. Wir fallen auf mit der hellen Haut und Haaren, die Kinder gewöhnen sich allmählich daran, ständig angesprochen zu werden, Ronja übt sich in Kusshänden und Salsa-Popowackeln. Eso!

Es ist spannend, Lima und Peru mit den Augen der Kinder zu entdecken. Jakob hat 1000 Fragen: Was heißt „Eis“ auf Spanisch? Warum sitzen in den Autos so viele Menschen? Warum darf ich sogar vorne sitzen? Wieso haben die Leute so große Hüte? Warum putzt der Mann den anderen die Schuhe? Was ist deine Arbeit, Papa? Du passt auf das Wasser in Peru auf? Das will ich auch!

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