Kennst du das Land, wo die Orangen blühten?

klP1070740Fast zwei Jahre lang – so lang sind wir bald hier – haben wir davon gesprochen, einmal nach Huaral zu fahren. Dort wohnt die Familie von Carlos, einem guten Freund von uns. Seit einigen Monaten wohnt Carlos‘ Cousine Milena bei uns, auch sie hat lange Zeit in Huaral gewohnt. Höchste Zeit also, unseren Freunden und ihren Familien dort einen Besuch abzustatten.

Huaral liegt knapp 80 Kilometer nördlich von Lima an der Küste. Die Stadt ist von weiten Feldern und Plantagen umgeben, hier werden Kartoffeln, Mais und Baumwolle angebaut, Äpfel, Mangos, Mandarinen, Avocado und Guayaba. Auf dem Feld der Familie knabbern wir an Zuckerrohrstengeln, schnuppern am Hierba Luisa und lutschen das weiße Fruchtfleisch der Pacay.

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Früher gab es in Huaral gewaltige Landgüter. Eines davon ist die Hacienda Graña de Huando, sie gehörte der Familie Graña Elizalde. Auf 1450 Hektar Land pflanzten sie fast ausschließlich Orangen. Als Naranjas Huando wurden die kernlosen Früchte zum Exportschlager (auch wenn die Orangenart eigentlich Washington Navel hieß). Die Orangen gingen in die USA, nach Kanada und Europa.

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Die linke Militärregierung unter Juan Velasco Alvarado erließ 1969 ein Agrarreformgesetz, infolgedessen die Haziendas enteignet und an bäuerliche Genossenschaften übertragen wurden. Diese nannten sich an der Küste Cooperativas Agrarias de Producción (CAP), Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, im Andenhochland Sociedades Agrícolas de Interés Social (SAIS), Landwirtschaftliche Gesellschaften von sozialem Interesse. Die Landreform beendete weitgehend das jahrhundertealte System der Schuldknechtschaft (peonaje), einem sklavereiähnlichen Abhängigkeitsverhältnis von Bauern gegenüber Großgrundbesitzern. Allerdings besteht die Konzentration von viel Land in den Händen von Wenigen bis heute fort. Die Infostelle Peru hat dazu vor einiger Zeit einen sehr informativen Artikel geschrieben.

Nach der Landreform wurde also die ehemalige Hacienda auf knapp 500 Genossenschaftler der Cooperativa Agraria de Producción Huando übertragen. Die Genossenschaft löste sich 1992 auf, die Ländereien wurden in Parzellen aufgeteilt. Als eine Plage namens „Virus de la Tristeza“ (Virus der Traurigkeit) die Huando-Orangen befiel, wurde ihre Produktion allmählich eingestellt. Heute pflanzen die Bauern eine Vielzahl anderer Früchte an: Mandarinen, Erdbeeren, Spargel, Avocado.

Die frühere Hacienda Graña de Huando wird heute von ehemaligen Arbeitern verwaltet. An den alten Kolonialgebäuden nagt der Zahn der Zeit. Ein paar Bäuerinnen verkaufen Honig, Mandarinen und Fruchtlikör. Es gibt ein Restaurant und ein kleines Museum mit alten Keramikfunden und einer noch älteren Mumie namens Rosita. Dort, wo heute Tagesgäste eine Runde auf Pferden drehen, ging Carlos früher in den Kindergarten.

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Später essen wir Cuy (gebratenes Meerschweinchen), von Carlos‘  Mutter zubereitet, zählen die Mückenstiche, die wir vom Feld mitgebracht haben und schmettern bei Vollmond in einer Karaokebar schmalzige Lieder. Es war sehr schön. Wir kommen sicher wieder.

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