Lang lebe die blaue Lagune

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Schon gute zwei Wochen sind wir zurück in Lima la gris. Der Blog-Beitrag zu unseren zwei Wochen in der Cordillera Blanca hat ein wenig auf sich warten lassen, aber so langsam sind wir wieder im Alltags-Groove und kommen dazu, euch einige Worte und Bilder über unsere Zeit in den Bergen zu schicken.

Mattes hat in den zwei Wochen eine Gruppe von Geografie-Studierenden aus Hamburg betreut, die zum Thema Alternativen zum Bergbau geforscht und die Gemeinden befragt haben, Eva hat Recherchen und Aktualisierungen für den Stefan Loose Reiseführer gemacht und die Kinder haben die Ferien genossen. Wir sind zwei Wochen zwischen Huaraz und Caraz gependelt, haben unseren Freund Adan und seine Frau Eva (wirklich) und ihr Baby Kain (wirklich!!) in der Comunidad Cruz del Mayo besucht, haben die über 6000 Meter hohen Berggipfel bestaunt und die Höhenluft genossen. Am Campo Santo, dem Friedhof von Yungay haben wir ehrfüchtig zum mächtigen Huascarán, dem höchsten Berg Perus (6768m) hinaufgeschaut. Am 31. Mai 1970 hatte ein Erdbeben eine gewaltige Lawine aus Eis, Schlamm und Geröll vom Berg gelöst und begrub an einem schönen Sonntagmorgen das gesamte Dorf Yungay mit einer 5 Meter hohen Schicht unter sich (siehe Titelbild). 20.000 Menschen starben innerhalb weniger Minuten. Das neue Yungay wurde in der Nähe des alten Dorfes, hinter einem schützenden Bergkamm, wieder aufgebaut.

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Was von Yungay übrig blieb: Campo Santo mit dem Huascarán im Hintergrund

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Der höchste Punkt und auch Höhepunkt der Reise war das Fest an der Laguna Parón am 29. Juli, der größten Lagune in der Cordillera. Die Lagune liegt auf 4186 Meter Höhe im Nationalpark Huascarán. Am selben Tag vor acht Jahren, am 29. Juli 2008, hatte die Comunidad Cruz del Mayo die Nutzung des Wassers der Lagune für sich reklamiert und die Wasseranlage des US-amerikanischen Unternehmens Duke Energy besetzt. Duke Energy ist Besitzer des Wasserkraftwerks im Cañón del Pato – einer schmalen Schlucht, in der sich die Cordillera Blanca und die Cordillera Negra bis auf wenige Meter nähern und durch die der Rio Santa fließt.  Die Nutzungsrechte der Laguna Parón waren 1996 unter der Regierung Alberto Fujimoris an das Unternehmen verkauft worden. Bald bekamen die Comuneros die negativen Auswirkungen der Nutzung der Lagune für das Wasserkraftwerk zu spüren: der Wasserpegel der Lagune sank drastisch, die Wassermengen für die Bewässerung der Felder und Äcker in der Gemeinde wurden unregelmäßig. Die Bauern beklagten Ernteausfälle, die Bewohner von Caraz tief unten im Tal die Qualität des Wassers.

2007 kündigte Duke Energy an, mehr Wasser aus der Lagune abzulassen, um mehr Strom zu generieren. Die Comuneros waren alarmiert und sahen ihre Felder, die mit dem Wasser der Lagune bewässert werden, in Gefahr. Duke Energy machte goldene Gewinne mit dem Wasserkraftwerk, Bergbauunternehmen heimsten Millionen mit dem Abbau von Kupfer, Silber und Zink ab, aber die Bauern profitierten davon wenig. 2007 lebten etwa 42 Prozent der Bevölkerung des Departamentos Ancash (in der sich die Cordillera Blanca befindet) in Armut, davon 17 Prozent in extremer Armut. Die Wassermassen, die Duke Energy ab 2007 aus der Lagune pumpte, ließ den Wasserstand der Laguna Parón schließlich auf die Hälfte sinken.

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Weil Gespräche mit dem Unternehmen und den Behörden immer wieder gescheitert waren, organisierten sich im Juli 2008 die Comuneros aus Cruz del Mayo und die Kommission der Nutzer des Unterlaufs Parón-Llullán, in Koordination mit der Provinzverwaltung Huaylas, als „Frente de Defensa de la Laguna Parón y el Medio Ambiente“ und nahmen die Sache selbst in die Hand. Sie besetzten die Wasserentnahmestelle und kündigten an, diese erst freizugeben, wenn die Forderungen der Comunidad ernsthaft Gehör fänden. Drei dicke Schlösser hängen heute am Tor der Anlage, durch die das Wasser ablief. Die Schlüssel liegen bei den Comuneros. Bis heute sind sie die Wächter der Lagune. (zum Weiterlesen ein Artikel en español von CEAS, Mitgliedsorganisation des Red Muqui; sie arbeitet mit den Comunidades in der Region).

Seitdem hat es viele Gespräche mit dem Unternehmen Duke Energy gegeben. 2011 initiierte die Zentralregierung Gespräche zwischen den Parteien, die aber scheiterten. Die Runden Tische wurden 2012 wieder aufgenommen, 2014 einigte man sich schließlich darauf, dass das Unternehmen das Wasser unter der Supervision einer dritten unabhängigen Partei für das Wasserkraftwerk nutzen dürfe. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, das Wasser der Lagune künftig nur in Absprache mit der Gemeinde zu nutzen.

Die Comuneros feiern derweil ihr jährliches Fest an der Laguna Parón, einige Tausend sind gekommen, zwei Stunden holperige Serpentinenstraße von Caraz hinauf zu einer der schönsten Lagunen der Cordillera. 200 Combis parken entlang der schmalen Straße, Frauen mit bunten Röcken und großen Hüten haben riesige Töpfe hochgebracht, es gibt Choclo con Queso (Mais mit Käse), Cuy (Meerschweinchen), Papas (Kartoffeln), Mate de Coca (Coca Tee) und Inka Cola, die neongelbe und wahrscheinlich süßeste Limonade der Welt. Sogar ein Eisverkäufer läuft herum, aber es ist schon kalt genug auf über 4000 Metern mit eisigem Wind.

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Auf der Wiese vor dem Refugio, der Berghütte an der Laguna Parón, drängen sich die Menschen, festlich gekleidete Tänzer tanzen im Kreis an langen roten Bändern. Ein paar Männer rudern die Ñusta, die repräsentative Prinzessin dieser Feier fürs Wasser, auf den See hinaus und wieder zurück. Dann werden Reden geschwungen, ein Geistlicher hält eine Zeremonie, der Bürgermeister von Caraz ist da und sämtliche Präsidenten der umliegenden Gemeinden. Auch Mattes darf etwas sagen, er sagt kluge Sachen wie „Agua es Vida“ (Wasser ist Leben) und alle klatschen und fotografieren. Dann  gibt es Musik und Tanz bis in den Abend. Wir fahren schon früher zurück, die Kinder sind ziemlich platt von der Höhe und wollen lieber in Caraz aufs Trampolin auf dem kleinen Jahrmarkt, wo sie jeden Nachmittag gehüpft sind wie wilde Flummis. Wir verabschieden uns also von der blauen Lagune und fahren hinunter nach Caraz, 2000 Meter tiefer. Dort scheint die Sonne, wir essen wie jeden Tag ein Eis in dieser Stadt der Süßigkeiten (Caraz Dulzura ist der Spitzname des Ortes) und werfen noch einmal einen Blick hinauf zu den Bergen. Weit oben, hinter den grünen Hügeln und den grauen Zacken, sehen wir die weiße Spitze des Sechstausenders Huandoy leuchten. Ein Apu, ein beseelter Berg, der über die Lagune wacht. Dann gehen wir Trampolinspringen.

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2 Gedanken zu “Lang lebe die blaue Lagune

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