In den Sümpfen von Lima

RVSL_00321Das Wochenende liegt vor der Tür. Wir wollen raus aus der Stadt, einen Ort entdecken, den wir noch nicht kennen. Die Sümpfe von Villa, schlägt meine Freundin vor. Sümpfe? Ich spitze die Ohren. Sümpfe klingen gut. Wir packen die drei Kinder ein, Schaufeln, einen Eimer, eine Lupe, eine Tasche für Schätze, die wir unterwegs finden könnten und Picknicksachen. Schon im Auto sind alle Brote verputzt. Über den Circuito de Playas, eine Art Stadtautobahn direkt am Meer, kommen wir recht schnell nach Chorillos. Bald haben wir die Pantanos de Villa erreicht, ein knapp 300 Hektar großes Naturschutzgebiet. Es besteht aus Sümpfen, verzweigten Wasserstraßen, Wasserpflanzen, viel Schilf und bietet Abertausenden von Vögeln ein Zuhause. 154 verschiedene Vogelarten wurden hier identifziziert, die Hälfte davon sind Zugvögel aus dem Norden, die ab Oktober in den Sümpfen eintreffen und hier überwintern.

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Wir stapfen hinein in die Sümpfe, werden von vorbeiziehenden Schulklassen fotografiert (drei blonde Kinder!), klettern einen Aussichtsturm hinauf, dann machen wir uns auf die Suche nach den Booten. Dani, Mitarbeiterin von PROHVILLA, der städtischen Schutzbehörde für die Sümpfe von Villa, führt uns hin. Sie rudert uns eine Runde durch eine der Lagunen, „die einzige, die zugänglich ist für Besucher“, sagt sie, „sonst hätten die Vögel gar keine Ruhe“. Sie sagt, dass die Stadt viel mehr tun müsse, um die Sümpfe zu schützen. Früher war das Gebiet 1200 Hektar groß und reichte bis Pachacámac. Heute wird das Gebiet an allen Enden zugebaut, immer wieder findet man Müll, das Wasser ist längst nicht so sauber wie es sein sollte, zuviel Abwässer und Rückstände der Stadt und der Fabriken am Fluss fließen in die Sümpfe. Das Team von PROHVILLA plant gerade, mehr Umweltbildungsprojekte in den umliegenden Stadtteilen und Schulen zu machen.“Eso es un tesoro“ sagt Dani, dieses Gebiet ist ein Schatz, direkt vor der Haustüre von Lima. Hoffentlich verschwindet es nicht.

Schließlich fahren wir die paar Kilometer weiter ans Meer. Wir haben den Strand für uns alleine, kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Ein paar Vögel schauen uns zu, wir schauen ihnen zu. Sammeln Federn, Steine und ausgewaschenes Treibholz und verstauen alles in der Schatz-Tasche. Machen Picknick, hüpfen in die Wellen und staunen, wie viel Wasser, wie viel Grün, wie viel Natur es auch in Lima gibt. Man muss nur wissen wo.

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Bailemos! Oder: Hüftschwung mit den heißen Alten

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Jeden Mittwoch nachmittag beginnt das große Stühlerücken auf der Plaza in der Residencial San Felipe, dort wo sich die Läden, Apotheken, Banken aneinanderreihen, wo sonst Senioren auf den Bänken verweilen und Kinder mit Rollern und Rädern herumflitzen. Jeden Mittwoch nachmittag trudeln rüstige Rentner, gebrechliche Senioren, fitte Silver Ager und auch ein paar jüngere Menschen ein und warten auf den Beginn des allwöchentlichen Tanzabends mit Live-Band, pünktlich um 17 Uhr (im Sommer um 18 Uhr). Die Stadtteilverwaltung in Jesus Maria organisiert das Tanzvergnügen, organisiert Stühle und Musiker, seit vielen Jahren.

Manche der frühen Ankömmlinge lesen noch ein wenig in der Zeitung, blinzeln in die Spätnachmittagssonne, andere plaudern mit ihren Sitznachbarn. Wie war die Woche? Was macht die Hüfte? Und die Enkelkinder?

Wenn die Musiker dann ihre Instrumente und Lautsprecher aufgebaut haben, wenn alle im Quarreé sitzen und erwartungsvoll auf die Band schaut und wenn dann die ersten Takte erklingen, Salsa, Cumbia, Bolero: manchmal springen dann schon die ersten Tänzer auf, schwingen die Hüften, heben die Arme und sie sind nicht mehr 80, sondern 40, ach was, 20 Jahre alt!20160511_173033

Es ist eine helle Freude, den „heißen Alten“, wie manche sie liebevoll nennen, beim Tanzen zuzuschauen. Sie haben sich feingemacht, geschminkt, die Haare gegelt, den Anzug gebügelt und das neue Kleid an, sie haben eine frische Dauerwelle oder sich noch schnell die Nägel lackieren lassen. Sie tanzen, als gäbe es kein Morgen, sie singen die Texte mit und lachen und sie sind überhaupt nicht mehr gebrechlich, sondern gelenkig wie damals. Es herrscht freie Partnerwahl, der alte Herr fordert die junge Mutter auf, die in einer Parfümwolke schwebende Seniorin ihren Sitznachbarn. Die meisten kommen jede Woche. Immer dabei: der Vagabund mit den langen grauen Haaren und Plastiktüten, der so vehement den Takt mitklatscht als wolle er verhindern, dass die Musik jemals wieder aufhöre. Der Herr, der wie eine ältere elegante Version von Robin Hood aussieht mit gelben Lederschuhen und Feder am feschen Hut. Der gealterte Schönling, der nur mit den jüngeren Frauen tanzt. Die Grande Dame mit der Dauerwelle und ihren theatralischen Gesten. Unsere Nachbarin, die einen Hüftschwung hat, von dem sich so mancher noch was abgucken kann. Außerdem dabei: die Eisverkäufer, die Passanten, die gerade aus dem Supermarkt kommen und nun kurz innehalten und mitwippen, ein paar Kinder, die zwischendurch herumflitzen.

Es werden gespielt: Klassiker, Stücke zum Schwoofen, Abtanzen, Mitsingen, sämtliche tropische Rhythmen, Salsa, Cumbia, Boleros, Merengue. Herzergreifend schön. Auf dass die Menschheit nie aufhöre zu tanzen.

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Allin Mikuy Ayllu – Gemeinschaft des gutes Essens

canasta5Wir sprechen (leider) kein Quechua. Aber drei Quechua-Worte benutzen wir sehr oft: Allin Mikuy Ayllu. Das bedeutet „Gemeinschaft des gutes Essens“. So nennt sich eine lose Gruppe von Freunden und Gleichgesinnten, die im September 2012 in Lima eine Biokiste ins Leben riefen.

Manche kennen das Konzept der Biokiste, manchmal auch Öko- oder grüne Kiste genannt: ein System des Direktvertriebs von regionalen und saisonalen Lebensmitteln aus der ökologischen Landwirtschaft. Menschen (meist) aus der Stadt bekommen ihre Kisten mit Obst und Gemüse, Milchprodukten, Getreide, manchmal auch Fleisch direkt vor die Haustür geliefert. Manche holen diese Lebensmittel auch an bestimmten Orten ab, selbstorganisiert oder in entsprechenden Läden. In Deutschland gibt es über 100 solcher Biokisten-Gruppen, dazu Dutzende von Food-Coops, einer Art Lebensmittelgenossenschaft. In Bremen, wo wir lange Zeit gewohnt haben, gibt es seit über 30 Jahren einen verwunschenen Laden namens Maiskolben, in dem Bio- und Demeterprodukte angeboten werden, wo man Ladendienste übernehmen und die Bauern im Umland besuchen kann, die die Lebensmittel produzieren.

Allen Initiativen gemein ist, dass sie die ökologische Landwirtschaft fördern wollen, auf Pestizide und Gentechnik verzichten und eine Form solidarischer Landwirtschaft unterstützen, die die lokalen Beziehungen zwischen Verbrauchern und Erzeugern stärkt. Es geht um gesunde Ernährung, aber eben auch: um mehr Gemeinschaft.

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Zurück also zur Gruppe um Allin Mikuy Ayllu. Die Freunde Luna und Pepelucho hatten im Herbst 2012 beeinander gesessen und Ideen gesponnen, inspiriert von Canastas Comunitarias („Gemeinschafts-Körben“) in Riobamba (Ecuador), Bogotá (Kolumbien) und Europa. Nach einigen Monaten der Vorbereitung fand im Februar 2013 die erste Canasta statt. 24 Familien und 11 Produzenten waren dabei, unterstützt von einem halben Dutzend Freiwilliger.

Heute sind es etwa 30 Familien, die sich einmal im Monat treffen, meist in den Räumen der Organisation PDTG (siehe Netzwerk) oder des Colegio José Antonio Encinas, einer alternativen Schule in Magdalena del Mar. Bei den Treffen geht es nicht nur um die Verteilung der Biokisten, sondern auch um den Austausch von Erfahrungen, Wissen und um ein bewusstes Erleben von Gemeinschaft. Manchmal bereitet jemand eine kleine Zeremonie für die Pachamama, die Mutter Erde, vor. Dann gehen Koka-Blätter herum, Tabakrauch wird auf rituelle Weise auf die Pflanzen gepustet, brennende Palo Santo Stäbe verbreiten einen süßlich-harzigen Geruch, der sofort an die Hochebenen der Anden denken lässt. Am Jahresende gab es einmal eine sehr berührende Runde mit guten Wünschen und Ausblicken, was bleibt, was kommt.

Auf ihrem Blog schreiben die Canasterxs, dass sie „ein Medium sein wollen für Bildung rund um Themen wie Gesundheit und Ernährung und Türen öffnen wollen zu einer Lebensform, die auf Solidarität und Harmonie mit der Natur beruht“. In diesem Sinne: Allin risuchun, que te vaya bien, möge es dir gut ergehen, liebe Canasta.

Hier gehts zum Blog der Canasta Allin Mikuy Ayllu und hier zur (aktuelleren) Facebook-Seite.

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Präsidentschaftswahlen in Peru

_DSC1026Am 10. April wählen die Peruanerinnen und Peruaner einen neuen Präsidenten. 20 Millionen Menschen werden wählen gehen – in Peru herrscht Wahlpflicht. Zur Auswahl stehen 19 Präsidentschaftskandidaten. Unter den fünf aussichtsreichsten Kandidaten befinden sich fast ausschließlich ehemalige Präsidenten und in früheren Wahlen gescheiterte Anwärter.

Die aussichtreichsten Kandidatinnen und Kandidaten

keikoIn derzeitigen Umfragen liegt die Konservative Keiko Fujimori (40), Kandidatin der Partei Fuerza Popular, die eigens zu ihrer Unterstützung während der Wahlen 2011 gegründet worden war, mit rund 30 Prozent weit vorne. Die  Tochter des autoritären Ex-Staatschefs Alberto Fujimori trat 2011 in der Zweiten Wahlrunde gegen den amtierenden Präsideten Ollanta Humala an und verlor die Stichwahl nur knapp. Fujimori spricht sich für eine schärfere Sicherheitspolitik, die Wiedereinführung der Todesstrafe und die Liberalisierung der Wirtschaft aus. Für Kontroverse sorgte 2011 ihre Aussage, ihren Vater begnadigen zu wollen, der 2007 wegen Korruption und schweren Menschenrechtsverletzungen in seiner Amtszeit von 1990 bis 2000 zu einer jahrzehntelangen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. In den letzten Wochen gingen mehrere Tausend Menschen auf die Straße, um gegen die Kandidatur von Keiko Fujimori zu protestieren. Sie werfen der Kandidatin vor, Stimmen gekauft zu haben. Derzeit ermittelt die peruanische Wahlbehörde JNE in diesem Fall. In den nächsten Tagen wird sich entscheiden, ob Fujimori im Rennen bleibt.

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Erster Protestmarsch im März gegen die Kandidatur von Keiko Fujimori, Tochter des Ex-Staatschefs Alberto Fujimori, der wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption im Gefängnis sitzt

Nach derzeitigen Prognosen folgen auf den weiteren Plätzen Pedro Pablo Kuczinsky (Peruanos por el kambio), Alfredo Barnechea (Acción Popular), Verónika Mendoza (Frente Amplio) und Alan García (Alianza Popular).

Pedro_Pablo_kuzcynski_Oficial_2013Der neoliberale Kandidat Pedro Pablo Kuczinsky ist mit seinen 78 Jahren der Polit-Dinosaurier unter den Kandidaten. Er bewarb sich bereits 2011 um das Amt des Präsidenten. Von 1980 bis 1985 war er als Energieminister sowie als Wirtschafts-, Finanz- und später Premierminister unter der Regierung Alejandro Toledos 2001 bis 2006 tätig. Er besitzt neben der peruanischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und arbeitete unter anderem für den Internationalen Währungsfond und die Weltbank. Wie Fujimori plädiert auch er für ein hartes Vorgehen gegen Kriminalität sowie eine Verbesserung der Infrastruktur. Seine Partei PKK zieht vor allem Technokraten und Mittelständler an, die in den letzten Jahren vom Wirtschaftsboom profitiert haben. Kuczynski gilt als Vertreter der multinationalen Unternehmen. Bei den letzten Umfragen erhielt er zwischen 14 und 20% der Wählerstimmen.

barnecheaAlfredo Barnechea (65)  ist ehemaliger Journalist und Politologe mit sozialdemokratischer Ausrichtung. In den 1980er Jahren war er Abgeordneter für die Alianza Popular Revolucionaria Americana (APRA), die älteste Partei Perus. In den 1990er Jahren unterstützte Barnechea den Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa in dessen Wahlkampf um das Amt des Präsidenten. Seit zwei Jahren ist er Mitglied der Partei Acción Popular, die mitte-rechts angesiedelt ist.

veroEin Hoffnungsschimmer im Schaulauf der vornehmlich neoliberalen und rechtspopulistischen Kandidatinnen und Kandidaten ist Verónika Mendoza des linksgerichteten Parteienbündnisses Frente Amplio. Die 36-jährige Psychologin und Sozialwissenschaftlerin gilt als Verteidigerin der Rechte der indigenen Völker. Sie plädiert für die Stärkung des öffentlichen Sektors und der Arbeitnehmerrechte, die Verbesserung der öffentlichen Bildung und der Gesundheitsversorgung. Sie will den Mindestlohn von derzeit 750 auf zukünftig 1000 Soles (circa 260 Euro) erhöhen, kleine und mittlere Unternehmen stärken und gegen millionenschwere Bergbauprojekte wie Conga oder Tía María angehen, die im letzten Jahr für zahlreiche Proteste gesorgt hatten. Mendoza steht mit ihrem Programm in starkem Kontrast zu den Kursen der anderen Kandidaten, die fast durchweg für mehr Repression, mehr Einsatz von Polizei und Militär sowie eine Verschärfung des Strafrechtes bis hin zur Einführung der Todesstrafe sind.

garciaDer ehemalige sozialdemokratische Präsident Alan García, laut Prognosen zur Zeit an fünfter Stelle, war bereits zwei Mal Präsident von Peru (1985 bis 1990 und  2006 bis 2011). Seine erste Amtszeit erlangte durch Wirtschaftskrisen, Hyperinflation und einem brutalen Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung im Rahmen des bewaffneten Konfliktes von 1980 bis 2000 traurige Berühmtheit, seine zweite Amtszeit zeichnete sich unter anderem durch Bestechungsskandale, die brutale Niederschlagung von Protesten und dem gescheiterten Versuch der Wiedereinführung der Todesstrafe aus. Viele Wahlversprechen von 2006, die García damals nicht eingehalten hat, nennt er heute erneut.

Von der Wahl ausgeschlossen

guzman1Der nach Umfragen lange auf Platz zwei liegende Kandidat für die Präsidentschaftswahl im April, Julio Guzmán, ist vergangene Woche von der Wahl ausgeschlossen worden. Das oberste Wahlgericht (JNE) in Peru hat die Bewerbung des liberalen Politikers und Ökonomen wegen formeller Fehler bei seiner Nominierung durch die Partei „Todos Por el Perú“ annulliert. Guzmán galt als der einzige Kandidat, der in einer eventuellen Stichwahl Keiko Fujimori hätte besiegen können. Die Partei von Guzmán kritisierte die Entscheidung scharf und kündigte an, die Kampagne fortzusetzen.

acunhaNeben der Kandidatur Guzmáns erklärte das Wahlgericht auch die Bewerbung des Populisten César Acuña für nichtig. Der Mann aus einfachen Verhältnissen, der zum Millionär und Besitzer eines Universitäts-Imperiums (Universidad César Vallejo) aufstieg und als Donald Trump Perus gilt, soll bei einer Wahlkampfveranstaltung Bargeld verteilt haben. Das ist seit Januar 2016 ausdrücklich verboten. Das Votum der Richter fiel mit 5-0 entsprechend eindeutig aus. Bei Guzmán waren sich die Richter dagegen nicht so einig (3-2 Stimmen).

Die Aussichten

congreso_peruDa der zukünftige Präsident die absolute Mehrheit der Stimmen in einem Wahlgang auf sich vereinigen muss, ist der Ausgang der Wahlen im April noch völlig ungewiss. Die absolute Mehrheit erreicht momentan keiner der Kandidaten, sodass aller Voraussicht nach mehrere Wahlgänge nötig sein werden. In der Vergangenheit hat sich bereits gezeigt, dass die vielen neoliberal-konservativen Kandidaten sich unter Umständen gegenseitig die Stimmen wegnehmen, sodass Verónika Mendoza möglicherweise eine Chance haben könnte.

Was von Ollanta Humala übrig bleibt

humala1Seit 2011 wird Peru von dem Ex-Militär Ollanta Humala (Partido Nacionalista Peruano) regiert. Er hatte die Wahl mit linksnationalistischen Parolen gewonnen, dann aber einen pragmatischen, rechts-gerichteten Kurs eingeschlagen. Die Förderung von Auslandsinvestitionen vor allem im Bergbau hat Peru ein anhaltendes Wirtschaftswachstum eingebracht, vielerorts aber zu heftigen Konflikten mit Bauern geführt, die ihre Wasser- und Landressourcen durch den boomenden Bergbau bedroht sahen. Viele PeruanerInnen sind von Humala und seiner Amtszeit enttäuscht, da er viele der damaligen Wahlversprechen nicht eingehalten hat.

Stadt ohne Wasser

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Costa Verde, Miraflores

Sommer in Lima. Fast jeden Morgen spannt sich der Himmel blau und weit über die Zehn-Millionen-Metropole am Pazifik. Das Thermometer klettert täglich auf 30 Grad.  Wir freuen uns über die Sonne, von unserem Hochhaus schauen wir hinunter in einen grünen Park, rechts hinunter funkelt der Pazifik.

Aber der Schein trügt. Lima ist eine Stadt ohne Wasser an einer Küste aus Wüstensand. Wir leben in einer Blase. In unserem Stadtviertel gibt es Wasserleitungen, wir haben meistens fließendes Wasser, im Park der Residencial San Felipe bewässern die Gärtner und Gärterinnen fast täglich den knochentrockenen Boden.

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Wüstenlandschaft bei Ica, südlich von Lima

Lima ist nach Kairo die zweittrockenste Hauptstadt der Welt. Das Nass ist hier so knapp wie an wenigen anderen Orten der Welt. Jährlich fallen nur etwa zehn Millimeter Regen. Limas Wasserversorgung hängt fast komplett vom Niederschlag in den nahen Anden ab. Regen und Schnee aus den Bergen fließen aber zum allergrößten Teil in die entgegengesetzte Richtung, ins Amazonasbecken. Lima und viele andere Städte an der peruanischen Küstenwüste bleiben auf dem Trockenen sitzen. Der Fluss Rímac, der durch Lima fließt, ist meist ein trauriges Rinnsal mit Ufern voller Müll.

Die Limeños zapfen bereits die Grundwasserreserven im Erdboden an. In den besonders regenarmen Monaten zwischen Mai und September musste das Wasser in der peruanischen Hauptstadt schon mal rationiert werden. Das könnte bald noch häufiger geschehen. Durch den Klimawandel verändern sich die Niederschläge in den Anden. Die für Lima wichtigen Flüsse könnten im Jahr 2050 etwa 13 Prozent weniger Wasser führen als heute. Und der Bedarf an Wasser wächst, da die Stadt weiter wächst. 2040 könnten es 13 Millionen Menschen sein.

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Stadt der Gegensätze: wohlhabende Küstenviertel im Hintergrund, Armenviertel an den Berghängen

Die Wasseraufbereitungsanlagen des Wasserversorgers Sedapal sollten helfen, das kostbare Nass besser zu nutzen. Die Wasserwerke holen tote Tiere und Müll aus dem Rímac und filtern die Schadstoffe aus dem Wasser, die Fabriken und Bergbau-Unternehmen am Oberlauf des Flusses ungeklärt hineinleiten. Trotzdem geht fast ein Drittel des aufbereiteten Wassers auf dem Weg zum Verbraucher verloren – wegen brüchiger Leitungen und alter Kanäle, die dem Wasserdruck in den regenreichen Monaten im Andenraum (die sonnigen Monate in Lima) nicht standhalten.

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Die Verteilung von Wasser ist ein weiteres Problem. Während in den wohlhabenden Stadtteilen an der Küste und im Zentrum der Stadt das Wasser aus den Leitungen sprudelt, die Planschbecken füllt und die Gärten begrünt, sitzen viele Bewohner Limas in den steilen Hügeln am Stadtrand auf dem Trockenen. Etwa eine Million Menschen in Lima haben überhaupt keinen Zugang zu fließendem Wasser. Sie müssen das kostbare Nass aus Tankwagen kaufen und zahlen dafür viel mehr Geld als unten im Tal. Im schicken Viertel Miraflores zum Beispiel kostet das Wasser etwa 70 bis 80 Eurocent pro Kubikmeter. In Villa María dagegen, einem bevölkerungsreichen und sehr viel ärmeren Stadtteil, müssen die Bewohner das Zehnfache zahlen. Zum Vergleich: In Deutschland kostet ein Kubikmeter Wasser im Durchschnitt etwa 1,70 Euro. Dementsprechend sparsam gehen die Armen mit dem Wasser um. Weil aber die Reichen so verschwenderisch sind, liegt der durchschnittliche Verbrauch in ganz Lima bei 240 Liter pro Kopf und Tag – und damit doppelt so hoch wie in Deutschland.

Lima hat sicherlich ein Wasserproblem. Aber es müsste nicht so drastisch sein, wenn das Wasser gerechter verteilt wäre. Es wäre genug für alle da. Aber solange in den reichen Stadtvierteln die Gärten mit Trinkwasser bewässert werden, die Wasser-Tankwagen ihr Geschäft machen mit dem Verkauf von überteuertem Wasser in den Armenvierteln und das Klima so bleibt wie es ist, sieht es knapp aus.

Zum Weiterlesen: Beiträge aus der Süddeutschen und der FAZ (mit Video)

Lass dich überraschen…

…sang Rudi Carrell vor vielen Jahren. „Schnell kann es geschehn und schon werden Wunder in Erfüllung gehn“. So gesungen, schon geschehen.

P1050670P1050698Als wir vor ein paar Wochen ein paar Sachen zusammenpacken, um das Wochenende im Sommerhaus unseres Vermieters zu verbringen (gracias Edwin!), ist es grau und kühl in der Stadt. Das Haus liegt im Fischer- und Ferienörtchen San Bartolo am Meer, nicht weit von Lima, gleiche Klimazone also. Wir denken an Nordseewetter und packen Mütze, Schal und Gummistiefel ein. Keinen Sonnenhut, keine Sonnencreme, keine Badehosen. Hätten wir mal. Denn als wir nach einer guten Stunde im wahrhaft schönen Sommerhäuschen von Edwin ankommen, lugt die Sonne durch die Wolken. Macht sich ganz breit am irgendwann ganz blauen Himmel. Wir blinzeln ungläubig nach oben. Ziehen Schicht um Schicht unserer Kleidung aus. Kaufen geschwind Sonnencreme. Eine nette Dame leiht den Kindern am Strand Strohhüte. Die Kinder buddeln Burgen. Mattes geht surfen. Eva kriegt Sommersprossen. Alle glücklich. Sommertag im Winter, schubiduuu.

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Im richtigen Sommer, also im Februar, gab es einmal an einem anderen Strand in Lima (Playa Ancón) Proteste gegen die Abschottung der Reichen an den Stränden und die Diskriminierung derjenigen, die nicht zu dieser exklusiven Gruppe von Strandhausbesitzern gehören. An öffentlichen Stränden wie in Ancón, aber auch in Asia und La Punta, wurden Schilder aufgestellt, um unliebsame Besucher fernzuhalten. Seile, Zäune, aber auch Menschenketten und Wachleute  unterteilten den Strand in verschiedene Abschnitte – einer für die reichen Anwohner, einer für den Rest. „El lugar es privado y solo para residentes“ rechtfertigen manche Besitzer der weiß getünchten Sommerresidenzen mit Meerblick dieses Vorgehen, der Strand sei privat und nur Anwohner dürften ihn nutzen. „Aber der Strand ist doch öffentlich“, sagen die anderen, wir haben genauso ein Anrecht darauf, hier zu sein.“

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Apartheid am Strand – ein Seil trennt die Gruppen. Sonnenschirme waren zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt. Ancón ist nur einer von mehr als 50 Stränden mit eingeschränktem Zugang für die Normalbevölkerung.

„Con Ollas y Sombrillas“ demonstrierte also eine Gruppe von Menschen im Hochsommer gegen die diskriminierenden Praktiken an den Stränden Limas. Töpfe (als Symbol für Essen) und Sonnenschirme deswegen, da beides am Strand verboten ist – für die gewöhnliche Bevölkerung. Die Anwohner hingegen haben Anspruch auf ihre fest installierten Palmwedel-Sonnenschirme und Liegestuhl-Service durch anliegende Clubs.

Letzen Endes geht es nicht nur um den Strand, um Sonnenschirme oder ob man Essen mitbringen darf. Es geht um tief sitzende rassistische Strukturen in Peru, um Privilegien und Machtverhältnisse, die nicht hinterfragt werden. Es geht um gesellschaftlichen Status aufgrund von Hautfarbe, um eine Gesellschaft, in der Menschen mit dunklerer Hautfarbe vor allem als Hausangestellte arbeiten, als Kindermädchen oder Kellner. Die Zeit des jahrhundertelangen Kolonialismus in Peru, des gesellschaftlich gepflegten Rassismus hat ihre Spuren hinterlassen. Zeit, etwas zu verändern.

Hier der link zu einem Artikel zu diesem Thema auf Plattform für kritische Berichterstattung aus Peru, LaMula.pe

Días felizes

Der Sommer zieht weiter auf die Nordhalbkugel, hier wird es Herbst. Manchmal wabert schon der Küstennebel garúa durch die Straßen der Stadt und verschwindet dann wieder. Noch scheint die Sonne, das liegt an El Ninho. Wir arbeiten im Red Muqui, die Kinder gehen zur Kita, nachmittags spielen wir im Park oder treffen Freunde oder fahren ans Meer. Es kommen Besuche, es werden Hochzeiten gefeiert, jeden Abend versinkt die Sonne im Pazifik. Alltag in Lima. Glückliche Tage, días felizes.

Leben in der Residencial

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Hochzeit Sandra und Roberto

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Besuch von Evas Bruder Thomas

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Angelausflug Pucusana

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Besuch von Ana und Jimena aus Huancayo

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